Wir über uns

Heinrich Wilhelm Hahn
erhielt am 4. Juni 1792 vom Bürgermeister und Rat der königlich- und kurfürstlichen Residenzstadt Hannover die Konzession zum Betrieb einer Buchhandlung.
Im September 1792 eröffnete er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Bernhard Dietrich Hahn in dem gekauften Geschäftshaus Leinstraße 32 eine Sortiments- und Verlagsbuchhandlung unter der Firma „Gebrüder Hahn“.

Die Firma vergrößerte sich durch Ankauf der Ritterschen Buchhandlung in Hannover (1803), der Trampeschen Buchhandlung in Halle (1806) und einer Reihe von Artikeln der Juniusschen Buchhandlung in Leipzig. 1810 übernahm Hahn die von Caspar Fritsch gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig begründete, später von dessen Sohn Zacharias Remigius Fritsch durch Ankauf mehrerer anderer Handlungen bedeutend erweiterte Verlagsbuchhandlung, die nun die Grundlage für die Hahnsche Verlagsbuchhandlung in Leipzig abgab. 1818 nahm Heinrich Wilhelm Hahn, der am 4.3.1831 zu Hannover starb, seinen Sohn Heinrich Wilhelm Hahn der Jüngere (geb. 1795) als Teilhaber auf; das Leipziger Geschäft wurde von dem zweiten Sohn Bernhard Heinrich Hahn (geb. 1797) bis 1843 geleitet, ging dann aber in den Besitz von Heinrich Wilhelm Hahn den Jüngeren über, der bereits seit 1831 Inhaber des Hannoveraner Geschäftes war, das seit 1817 unter der Firma Hahnsche Hofbuchhandlung betrieben wurde.

Heinrich Wilhelm Hahn (Sohn) brachte das Geschäft auf die bedeutende Höhe, die es in die Reihe der ersten Verlagsgeschäfte Deutschlands stellte. Er hatte zusammen mit Georg Heinrich Pertz, dem ersten wissenschaftlichen Leiter der Monumenta Germaniae Historica, in Göttingen bei Prof. Arnold Heeren Geschichte studiert. So kam Pertz 1824 auf die Idee, den Verlag seines Schulfreundes, Nachbarn und Kommilitonen Heinrich Wilhelm Hahn als Verlag der Monumenta Germaniae Historica ins Spiel zu bringen. So erschien 1826 der erste Band der Monumenta Germaniae Historica in der Reihe der Scriptores in Folio in der Hahnschen Buchhandlung.

Heinrich Wilhelm Hahn regte bereits 1848 die Gründung einer Reichsbibliothek an. Er schrieb an das Frankfurter Parlament und bat darum,
„die Werke historischen, politischen, statistischen, kriegswissenschaftlichen und juristischen Inhalts, darunter auch die Monumenta, zur Begründung einer Handbibliothek verehren zu dürfen“.
Dies hatte nicht nur zur Folge, daß sich andere Verleger seinem Vorbild anschlossen, sondern auch, daß der Präsident Heinrich von Gagern daraufhin den Plan einer Deutschen Reichsbibliothek bekannt gab. Hahns Idee einer Deutschen Reichsbibliothek verwirklichte sich aber erst 1913 mit der Gründung der Deutschen Bücherei in Leipzig. Oberkommerzrat Heinrich Wilhelm Hahn der Jüngere starb am 19.4.1873, worauf das Geschäft an seinen Enkel Herbert Wilhelm Adolf von Thielen überging. Die Hahnsche Verlagshandlung in Leipzig und die Hahnsche Buchhandlung in Hannover wurden 1892 in der Firma Hahnsche Buchhandlung in Hannover und Leipzig vereinigt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Buchlager im Sommer 1943 ausgebombt. Der Verlag hat sich auch in der Zeit des Nationalsozialismus an seine Vorgaben gehalten und konnte seine wissenschaftlichen Werke unbehelligt veröffentlichen. Im Dezember 1942 bestätigte die Reichsschrifttumskammer auf Anfrage sogar,
„dass Sie sich auf allen den Gebieten des Verlages betätigen können, auf denen Sie sich im Rahmen Ihrer Gesamtproduktion bisher betätigt haben“.
Die Werke der Monumenta Germaniae Historica, die zu einem „Reichsinstitut für ältere deutsche Geschichtskunde“ umbenannt wurden, wurden als deutsches Kulturgut sogar von höchster Stelle geschützt. So wurde Ende Oktober 1943 auf Betreiben des Reichsverteidigungskommissars die Kirche von Völksen beschlagnahmt und als Ausweichlager für die Werke der Monumenta Germaniae Historica umfunktioniert; freilich erst nach dem Bombenschaden vom Sommer 1943.

Nach dem Krieg hatte die Hahnsche Buchhandlung mit den Schäden des Krieges zu kämpfen. 1946 wurde ihr schließlich die Lizenz zum Betrieb eines Verlages erteilt. Man verlegte zunächst Nachdrucke der verbrannten Monumenta-Werke und Schulbücher. Und nach den ersten Jahren des Aufbaus konnte man sich wieder auf die alten Aufgaben besinnen: Die Produktion wissenschaftlicher Werke und Publikationen.

Überblickt man die ganze Verlagsproduktion von Beginn der Firma an, so tritt eine reiche Tätigkeit entgegen, die alle Gebiete menschlichen Wissens umfaßt. Aus den übernommenen alten Firmen stammen Namen wie F. J. Bertuch und J. C. Gottsched. Das bedeutendste Hahnsche Verlagskind ist aber unzweifelhaft das deutsche Nationalwerk Monumenta Germaniae Historica. Auf Veranlassung des Freiherrn vom Stein 1819 begründet, wurde diese umfassende Quellensammlung der deutschen Geschichte zum Longseller des Verlags der Hahnschen Buchhandlung. Der erste wissenschaftliche Leiter der Monumenta Germaniae Historica Georg Heinrich Pertz hat noch mehrere Geschichtswerke, darunter die »Schrifttafeln zum Gebrauche bei diplomatischen Vorlesungen« und die Gesammelten Werke von Wilhelm Leibniz bei Hahn erscheinen lassen, ebenso Waitz sein „Leben Ulfilas“ 1841.
Von Gesamtwerken finden wir vertreten: Adolf Freiherr von Knigge (sein „Über den Umgang mit Menschen“ erschien in erster Auflage 1788), C. F. Gellerts Schriften in einer neuen Ausgabe, 1839 ff., Henriette Hanke geb. Arndt sämtliche Schriften, 126 Bände, 1841–57.
Auf dem Gebiete der Schulliteratur müssen vor allem Karl Ernst Georges lateinische Wörterbücher und Raphael Kühners Grammatiken genannt werden; ihm schließen sich die Schulbücher von Johannes Leunis (Synopsis der drei Naturreiche, 1844 ff.), Fr. Kranckes Rechenbücher; Guthe-Wagners Geographie und Wittsteins Logarithmentafeln an. Weitere Autoren bei Hahn waren J. C. A. Heyse, Otto Lyon 1896, Th. Heinsius, C. F. T. Krause, Mühry, Stieglitz, Stromeyer; Brandes, Credner, Frank, Volger, H. Grote, Fr. Graf v. d. Decken, J. G. Eichhorn (Geschichte der letzten 3 Jahrhunderte, 6 Bde. 1817–18); Bodemann, Hch. Düntzer u. v. a. Selbst die Landwirtschaft und Gartenbau haben in Dr. A. Thaer, Honstedt, Rohlwes, Wendland und Bosse (Blumengärtnerei, 3. Auflage 1859–61) hervorragende Vertreter gefunden.

Der Verlag hat seit der Gründung seine Schwerpunkte beibehalten und ist dem Motto von Heinrich Wilhelm Hahn senior treu geblieben:
„Der Wissenschaft in all ihrer Vielfältigkeit eine möglichst weite Verbreitung zu verschaffen ... [ist] die höchste Aufgabe unserer buchhändlerischen Tätigkeit.“
Eine zentrale Rolle spielen dabei nach wie vor die Werke der Monumenta Germaniae Historica, von denen die meisten im Verlag der Hahnschen Buchhandlung erschienen sind. Seit Januar 2001 werden – wie zu Beginn der Zusammenarbeit – wieder alle Neuerscheinungen der Monumenta Germaniae Historica in der Hahnschen Buchhandlung verlegt.

Heinrich Wilhelm Hahn

Die Konzession von 1792

Blick auf das Gebäude (Aquarell von 18??)

Leibnizens Gesammelte Werke (1842)

Der Programmschwerpunkt liegt auf dem Gebieten Geschichte, v.a. Mittelalterforschung, Erforschung der Geschichte der Juden und Landesgeschichte, Pädagogik, Schulbuchforschung, Archäologie und Alte Sprachen. Neben den Publikationen der Monumenta Germaniae Historica erscheinen die Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachen und Bremen, des Historischen Vereins für Niedersachsen, der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden, des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim und die Schriften des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung. Die Schriften des Stadtarchivs Hannover und der Niedersächsischen Archivverwaltung werden ebenso gepflegt wie die Klassiker des Hauses: Grotefends Taschenbuch der Zeitrechnung und Georges’ Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch.


nach oben

Literatur:

Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Beiträge zu einer Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes. 1. bis 6. Bd. Berlin 1902–1908.

Einhundertfünfundzwanzig Jahre des Geschäftshauses Hahnsche Buchhandlung in Hannover. Hannover 1917

Harry Bresslau: Geschichte der Monumenta Germaniae Historica. Hannover 1921

Albert Paust: Heinrich Wilhelm Hahn. Ein Lebensbild. Hildesheim 1954 (mit Quellen- und Literaturangaben)

Seit zwei Jahrhunderten im Dienst der Wissenschaft, in: BücherMarkt 8/1992

Sibylle Voss: Das Neue muß die Tradition nicht verdrängen, in: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 81/1992